Stripy Socks & Stripy T’s

Als Mann hatte man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht gerade viele Möglichkeiten, seine Persönlichkeit mit individuellem Kleidungsstil auszudrücken. Anzug, Hemd und meistens Krawatte waren vielerorts Vorschrift, egal ob College, Arbeit oder Nachtclub. Die einzige Ausnahme, die vor allem von jungen Männern begrüßt wurde, waren wild gemusterte Socken, im speziellen Ringelsocken.

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Sogar Fred Astaire, der als einer der am besten gekleideten Männer seiner Zeit galt, war berüchtigt für seine ungewöhnlichen Socken. Die Rebellion des starken Geschlechts gegen konventionelle Kleidung begann also unter weiten (bei Tänzern weit schwingenden) und nicht selten absichtlich zu kurzen Hosenbeinen.

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Fred Astaire war ein großer Fan funkiger Socken

Vor allem bei Tänzern machte diese Marotte Sinn, harrten die Blicke von Zuschauern doch sehr oft auf den Füßen der Jitterbugs. Verständlich, dass diese Mode auch im Swing Revival beliebt war und ist und ich sicher nicht die einzige Tanzpartnerin bin, die sich mit den Worten “I love your socks!” für einen Tanz bedankte.

Parallel dazu wurde die Bekleidung des Oberkörpers ebenfalls legerer. Zwar waren Hemd und Sakko nach wie vor bei Abendveranstaltungen obligatorisch (Frankie Manning beschreibt in seinem Buch “Ambassador of Lindy Hop” wie wichtig ein sorgfältiges Äußeres war, und dass er im Savoy immer einen seiner beiden Anzüge mit Hemd trug), doch es gab genügend Möglichkeiten, bei Nachmittagsveranstaltungen oder beim Tanzen im Freien Konventionen aufzugeben.

T-Shirts gab es bereits seit Längerem, doch wurden sie nicht von jedermann und schon gar nicht sichtbar getragen. Die US Navy gab sie um die Jahrhundertwende während des Spanisch-Amerikanischen Krieges als Unterhemden aus, die US Army machte sie etwas später zu einem Teil der Uniform und bald wurden sie von Minenarbeitern, Farmern und Bauarbeitern während der heißen Sommermonate getragen. Preiswert und einfach zu reinigen, verwendete Mann T-Shirts hauptsächlich beim Sport und zum körperlichen Arbeiten. Ausgehtauglich waren die kurzärmligen Baumwolloberteile jedoch nicht. Zu sehr erinnerten sie an Unterwäsche. Bedruckte T-Shirts gab es noch nicht (das offiziell erste bedruckte T-Shirt kam 1939 heraus, um den Kinofilm “Wizard of OZ” zu vermarkten, doch erst Jahre später fassten bedruckte T’s Fuß in der Freizeitbekleidungsindustrie) und farbige T-Shirts waren je nach Farbe “heikel”. Dunkelblau und dunkelrot passte schlecht zu dunklen Hosen. Helle und grelle Farben galten vielerorts bis in die späten 40er als aufdringlich und unpassend. Das Naheliegendste war daher, das Streifen-Design der bereits bekannten Breton Shirts zu übernehmen. Coco Chanel hatte diese Strickoberteile französischer Fischer nach einem Besuch der französischen Riviera 1917 populär gemacht.

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James Dean in einem Breton Stripe

Und so kam ein einzigartiger Look zustande, der frech und adrett zugleich die Brücke zwischen Anzug und super casual spannt. Doch Halt, so einfach ist es mit diesem Look nun auch wieder nicht! Um ihm wirklich etwas Vintage-Klasse einzuhauchen, sind gut sitzende Hosen, welche die hohe Taille betonen und lässig weit das Bein umspielen, sowie gute Schuhe Voraussetzung. Das hat immerhin bereits Fred Astaire vorgemacht.

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Tänzer aus SoCal, vorne in der Mitte im hellen Hemd mit Ringelsocken Hal Takier

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Hal Takier, einer der „Oldtimer“-Swingtänzer aus Los Angeles, gest. 2012

Ray Hirsch, gest. 2015

 

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