The Cat’s Pyjamas

Kaum eine andere Redensart bezeichnet den Zeitgeist der wilden 20er Jazz-Jahre treffender als diese drei Worte. Mit Cats waren die Flappers gemeint, die allen Konventionen trotzenden, rauchenden, selbstständigen, kurzhaarigen, Beine zeigenden Mädchen der Blütezeit des Charleston. Und Pyjamas waren ein relativ neues Kleidungsstück, welches vor allem von unabhängigen Frauen vorerst noch zu Hause getragen wurde. Somit stand ab den 1920ern “The Cat’s Pyjamas” für das Coolste vom Coolen und den neuesten Schrei.
Maskulin, doch feminin zugleich, provokant, locker sitzend und nicht einengend, erlaubt der Hauspyjama Posen, die einer viktorianischen Frau noch unmöglich gewesen wären. Lichtjahre entfernt von den weißen, schmucklosen und rein praktischen Schlafanzügen viktorianischer Männer sowie den karierten Flanell PJs, die 100 Jahre später von Jennifer Aniston in “Friends” populär gemacht wurden, waren die Lounge-Pyjamas der 20er und 30er Jahre edle, seidene Kunstwerke mit oft extravaganten Mustern und Designs. Von “anständigen” Mitgliedern der Gesellschaft nicht selten “frivol” genannt, war es für die Dame von Welt ein Muss, Gäste im Seidenpyjama bekleidet rauchend im Salon zu empfangen. Selbstverständlich mit perfekter Frisur, makellosem Make-Up und eleganten Pantoffeln oder Schuhen.
Weil diese Hausanzüge so schick und edel waren, wurde mit der Zeit so gut wie jeder weibliche Hollywoodstar in einem ebensolchen posierend abgelichtet, was schon immer einen großen Einfluß auf die nachahmende Damenwelt hatte.
Woran man sich zuhause gewöhnte, – sprich bequeme Hosen – das wollte man auch außer Haus in der Freizeit beibehalten. So kam es, dass der langsame Siegeszug der in der Gesellschaft dann letztendlich akzeptierten Damenhose über den Lounge-Pyjama und den daran anschießenden Beach-Pyjama erfolgte. Der schleppend-langsame Siegeszug muss man sagen, wenn man bedenkt, dass Senta Berger noch 1969 der Zutritt zu einem exklusiven Londoner Hotel mit den Worten „Damen tragen in London am Abend keine Hosen“ verwehrt wurde. (Ohne Probleme durfte sie dann übrigens eintreten, nachdem sie ihren eleganten Hosenanzug mit einem superkurzen Minikleid getauscht hatte.) 
In Städten und bei offiziellen Anlässen gab es für Frauen noch überraschend lange keine Alternative zu Kleidern und Röcken. Doch am Strand – ausgehend von der französischen Riviera – wurde es immer akzeptabler, sich rasch eine Beach-Pyjamahose über den Badeanzug zu ziehen. Diese schaffte vom Strand über die Strandbar und dann über das Restaurant bis zum Country Club (und über Postkarten!) zumindest in Feriendomizilen den sozialen Aufstieg und verlieh ihrer Trägerin das Zertifikat, modisch am letzten Stand zu sein.
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Die langen losen Hosen mit den extrem weiten Beinen gab es in allen Variationen. Besonders beliebt waren der Marinelook, Streifen, edles Weiß und ganze Ensembles.
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Und wieder halfen die weiblichen Hollywood-Stars bei der Verbreitung dieses Trends mit,
der von der „normalen“ weiblichen Bevölkerung und der Modeindustrie mit Freuden aufgenommen wurde.
Um in den farblich neutraleren, etwas weniger weiten Freizeithosen der 40er Jahre außer Haus zu gehen, brauchte es dennoch eine große Portion Mut. Und weitere Stars. Und einen Weltkrieg, der den Frauen, die die Arbeitsplätze der abwesenden Männer füllten, eine Arbeitshose zugestand.

Wenn man bedenkt, dass die westliche Frau heutzutage zu 80% Hosen trägt und das Tragen eines Rockes für viele eine unangenehme Ausnahme bildet, ist es erstaunlich, wie selten auf die eleganten Pyjamas zurückgegriffen wird. Ich finde diese nach wie vor unglaublich schick, kleidsam und feminin!

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