Über mich

Seit ich mich erinnern kann, tanze ich. Ballett, Jazz, Afro, Flamenco …

Und habe ich die Kleider meiner Mutter und Großmutter “ausgeliehen”. Von meiner Oma, die ungefähr zwei Köpfe kleiner war als ich und Schuhgröße 35 hatte, gab es ein Paar wunderschöne schwarze Wildlederpumps aus den 50er Jahren, in die ich mit acht Jahren und meinen großen Füßen perfekt reinpasste.

Diverse Ballkleider aus der gleichen Dekade wurden von mir später als 16jährige auf heimischen Bällen getragen, während die Stray Cats ihren großen Durchbruch hatten.

Von meiner Mutter erbte ich unter anderem ein seidenes Maturakostüm aus dem Jahre 1948 und eine große Liebe zum Big Band Swing.

Es dauerte allerdings noch einige Jahre und einen Wechsel auf den amerikanischen Kontinent, bis ich alle meine Leidenschaften vereinen konnte: Mitte der 90er Jahre fand in den Vereinigten Staaten ein großes Swing Revival statt und ich war mittendrinnen. Tausende junge Leute kleideten und stylten sich wie ihre Eltern bzw. Großeltern, lernten Swing Tänze wie den Lindy Hop und Balboa während Swing Bands und Swing Clubs wie Pilze aus dem Boden schossen.

1997 machte ich im legendären Derby in Los Feliz bei Los Angeles meine ersten Swingtanzschritte. Sylvia Skylar und Alicia Milo waren meine Lehrerinnen, doch wie alle Swing Kids der LA Szene quetschte auch ich die noch lebenden Tanzlegenden der 40er und 50er Jahre nach ihrem Wissen aus: Freda Angela, Bart Bartolo, Jean Veloz, Hal Takier, John Mills.

Wenn mich meine Schwester kopfschüttelnd fragt, warum ich ein altes Swingkleid immer wieder flicke statt es endlich wegzuwerfen, ist meine Antwort, daß ich in diesem Kleid mit Frankie Manning getanzt habe.

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Santa Monica, Kalifornien ca. 2000 in einem Kleid meiner Mutter aus ca. 1949 (Foto: Reinhard Kargl)

Ich lebte fast 20 Jahre in Los Angeles und irgendwie ergab es sich, daß ich jahrelang den größten monatlichen Swingball Amerikas organisierte und co-produzierte. Dabei schloß ich Freundschaften mit einigen der besten Jazz- und Swingmusiker und unglaublich begabten Tänzern und Tanzlehrern. Jahrelang pilgerten Swingfans aus Las Vegas, San Diego, San Francisco und sogar Seattle nach Los Angeles, um die legendären Abende im Satin Ballroom mit ca. 1500 Tänzern zu besuchen. Und nicht nur für mich, sondern für viele Gleichgesinnte, vereinten sich die Liebe zur Mode, zum Tanz und zur Musik der 20er bis 50er Jahre zu einem rauschenden Fest.

Ein Vintage Kleid kam zum anderen und wie die meisten meiner Freunde laufe ich dieser Tage fast ständig in irgendwelchen Klamotten aus vergangenen Jahrzehnten herum – original oder reproduziert. Manchen Leuten fällt das gar nicht auf, manche schauen nur amüsiert oder interessiert und andere können sich die originelle Bemerkung, daß der Fasching schon vorbei ist nicht verkneifen. Wen stört’s? Ich und Meinesgleichen finden, daß fast alles aus vergangenen Zeiten viel schöner und attraktiver war als was man heute in “normalen” Geschäften zu kaufen bekommt, und daß Artikel aus alten Zeiten so etwas wie eine Seele haben. Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, wo erlaubt ist, was gefällt!

Nachdem ich meine Wohnsitze in Wien, London, Los Angeles und Mailand hatte, wohne ich zur Zeit wieder in meiner Geburtsstadt Innsbruck, wo ich seit 2009 nebenbei Swingkurse (von Lindy Hop über Charleston zu Shag und Balboa) unterrichte und die Europavertretung für Re-Mix Schuhe innehabe.

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Innsbruck, ca. 2014 (Foto: Roland Reuter)
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2 Gedanken zu “Über mich

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