Was ist Swing?

Ein Sammelbegriff für amerikanische „Volks“-musik and -tänze, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Jazz entwickelt haben. Die Wurzeln dazu liegen in afro-amerikanischer Musik, die sich von den Südstaaten kommend an der Ostküste mit europäisch-amerikanischer Kultur vermischte. Wie auch der argentinische Tango waren Swing-Tänze „Straßentänze“.

Kulturhistorisch waren Jazz und Swing für Amerika besonders bedeutend, weil sich hier zum erstenmal und in großem Maße, schwarze und weiße Kultur vermischten. Im Lauf der Jahrzehnte fanden hier nach und nach die Rassen zusammen — erst um gemeinsam Musik zu machen, und dann auch um gemeinsam dazu zu tanzen (siehe auch Savoy Ballroom in Harlem).

Zum sehr dehnbaren Begriff „Swing“ zählt man heute so manchen Vintage Jazz aus den 20er Jahren, Big Band Swing aus den 30ern und 40ern, und Jump Blues aus den 40ern.

Inzwischen ist Swing auch ein Sammelbegriff für alle Swingtanzformen geworden, und zwar sowohl der Tänze der Swingmusik Ära (Shag, Balboa, Lindy Hop, Charleston, usw.) als auch späterer moderner Weiterentwicklungen (Boogie Woogie, West Coast Swing, usw.). Swingtänze sind grundsätzlich Gesellschaftstänze, die zu swingender Musik getanzt werden. Integriert wurde mittlerweile auch Blues, der zwar musikgeschichtlich eine etwas andere Entwicklung als der Jazz hatte, wenngleich die Wurzeln sehr ähnlich sind.

„Swing“ Tanzschritte kann man zusätzlich zu Rock ‘n’ Roll Musik, Boogie Woogie Musik, Rockabilly, Elektroswing sowie Blues und Country tanzen – obwohl sich nicht immer alle Songs zum Tanzen eignen.

Charleston

Charleston entstand Anfang der 20er Jahre, ist extravagant und energiegeladen, durch Ein-und Ausdrehen der Füße gekennzeichnet und kann alleine und mit Partner getanzt werden. Aus dem Charleston entwickelte Charlestonelemente werden viel im Swing, vor allem im (Savoy Style) Lindy Hop verwendet. Charleston hat einen 8-count Grundschritt und wird ungeachtet seines “schwarzen” Hintergrundes zumeist mit weißen “Flappers” verbunden.

 

Hier eine sehr schöne 20s Partner-Charleston Routine von meiner ersten Trainerin Alicia Milo

Lindy Hop

gilt offiziell als Großvater des Swing. Er entstand in den späten 20er Jahren in den Ballsälen des “schwarzen” New Yorker Stadtteiles Harlem, wie z. B. dem berühmten Savoy Ballroom.

Später auch als “Jitterbug” bezeichnet, verbreitete sich Lindy zwischen 1930 und 1950 quer über den amerikanischen Kontinent. Lindy Hop wurde sehr stark von afro-amerikanischen Elementen beeinflußt, wie dem Charleston, Jazz und Stepptanz.

Es gibt verschiedene Stile des Lindy Hop, die bekanntesten sind Savoy Style und Hollywood (Dean Collins) Style. Lindy wechselt 6-count Moves mit 8-count Moves sowie 2- und 4-count Moves ab, was ihn sehr abwechslungsreich macht. Das Herzstück ist der 8-Count Swingout (im Hollywood Style auch Shoulder Twist genannt).

Lindy Hop – Savoy Style

wurde von den “schwarzen” Tänzern des Savoy Ballroom in Harlem geprägt. Dieser Stil ist sehr rund, es wird relativ tief getanzt und er kann sehr wild sein.

Der berühmteste Vertreter dieses Stiles war Frankie Manning, der bis zu seinem Tod im Mai 2009 mit fast 95 Jahren noch weltweit unterrichtete und als Vater des “Air Steps” gilt. Frankie und sein Tanzteam, Whitey’s Lindy Hoppers, kann man in einem berühmten Tanzclip von 1941 sehen. Diese Tanzszene aus dem Film “Hellzapoppin” gilt heute noch als eine der besten, schnellsten und schwierigsten Choreographien und nur wenige zeitgenössische Tanzteams (z. B. The Rhythm Hot Shots, Harlem Hotshots) schafften es, sie nachzutanzen. Das Lied hat unglaubliche 329 beats per minute (die meisten Lindytänzer finden 125 die angenehmste Tanzgeschwindigkeit.)

Zur Zeit, als diese Filme entstanden, waren Tanzszenen mit “schwarzen” Künstlern immer unabhängig vom Filmgeschehen, damit sie im Süden der USA aus dem Film geschnitten werden konnten. Die Tänzer tragen fast immer Kostüme bei ihren Darbietungen und keine Straßenkleidung. Frankie trägt die Latzhosen im folgenden Clip.

 

Lindy Hop – Hollywood (Dean Collins) Style

war populär unter den weißen Tänzern der Westküste. Er wird auch Dean Collins Style genannt, nach einem berühmten Tänzer, der sehr viel in Hollywood Filmen tanzte. Dean Collins hatte Lindy in New York gesehen und gelernt und brachte ihn in die Gegend von LA, wo fast nur Balboa getanzt wurde. Dieser Stil ist eleganter, man tanzt oft “on a slot”, also auf einer Linie und es werden so gut wie keine Charleston Elemente verwendet. Dafür gibt es typische Figuren wie Sugar Pushes, Switches und den Quickstop.

Eine weitere berühmte Vertreterin dieses Stiles ist Jean Veloz, die mit über 90 Jahren nach wie vor weltweit unterrichtet.


Juan & Sharon beim Rock That Swing in München, Feber 2013


Jean Veloz in “Swing Fever!”


Dean Collins in “Buck Privates”


Jene Veloz in “Groovie Movie”, ein weiterer sehr berühmter Filmclip, eine Klamauk-Jitterbug-Anleitung. So richtig los geht’s ab der 5. Minute.

Jitterbug

1934 benannte der Bandleader Cab Calloway einen Stil des Lindy Hop “Jitterbug” (Zitterkäfer). Danach wurde Jitterbug zum Synonym für Lindy. Bereits in den 40er Jahren, aber besonders heutzutage, wird der Begriff Jitterbug oft für sehr unterschiedliche Tanzstile verwendet und bedeutet mehr oder weniger Swingtanz sowie Swingtänzer als auch den “Tanzvirus”, der einen nicht mehr losläßt.

Balboa

entstand in den 30er Jahren in der Gegend um Los Angeles, vornehmlich in den Tanzsälen auf Balboa Island, wie dem Balboa Pavilion und dem Rendezvous Ballroom.

Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt Balboa vom Charleston und/oder Foxtrott. Die Tanzsäle waren damals oft zum Bersten gepackt, also wurde sehr eng mit Minischritten getanzt. Im klassischen Balboa wurde der Brust-zu-Brust Kontakt nie aufgelöst. Die Balboa Tänzer galten stets als die elegantesten Tänzer, weil sie nicht so schwitzten und außer Atem kamen wie die Lindy Hopper. Balboa eignet sich hervorragend für schnelle Tempos, kann aber zu jeder Geschwindigkeit getanzt werden. Balboa ist ein 8-count Tanz mit trickreicher, geschmeidiger Fußarbeit, Shuffleschritten und enger Tanzhaltung.

Bal-Swing nennt man offiziel Balboa, bei dem der Brust-zu-Brust Kontakt gelöst wird und die Tänzer Break-Aways, Drehungen und sonstige Swing Elemente dazufügen. Heutzutage wird sehr selten reiner Balboa getanzt weshalb der Ausdruck Balboa oft für Bal-Swing verwendet wird.


Mo & Chris 2009 – fast nur Pure Bal

Olivier & Natasha – toller Bal Swing zu Gipsy Jazz

Shag

war gegen Ende der 30er Jahre der Rebellentanz der weißen College Kids. Ursprünglich ersetzte man beim Foxtrott tanzen das Fusswerk mit einem etwas wilderen slow-slow-quick-quick, während die Oberkörper ruhig blieben. Mit der Zeit bekam der Tanz immer mehr Dynamik und extravagante Moves. Er wird auch Collegiate Shag genannt, um ihn von einem weniger populären Tanz namens Carolina Shag zu differenzieren. Shag hat einen 6-count Grundschritt, wird zu schneller Musik getanzt, und das gesprungene Fußwerk und die oft geschlossene Körperhaltung mit aneinandergepressten Oberkörpern erinnert an Zeichentrickfilmfiguren. Das Schwierige am Shag ist, nicht zu hüpfen obwohl man springt.


Steve & Chanzie, München 2013

Und was genau ist Swingmusik?

Swing war ursprünglich die Bezeichnung für eine Musikrichtung – Musik die “schwingt” und der Begriff wurde erstenmal von weißen Musikern wie Benny Goodman verwendet.

Weiße Musiker, die die “Negermusik” Jazz spielen wollten, hatten ein Problem: wegen der Rassentrennung konnten sie von schwarzen Clubs und Lokalen nicht gebucht werden. Aber weiße Veranstalter wollten von der “Negermusik Jazz” nichts hören. Also nannte man die Musik einfach “Swing” — ein neu erfundener Begriff.

Der berühmte Auftritt des Benny Goodman Orchestras in der Kultur-Hochburg der Carnegie Hall (New York) vom 16. Jänner 1938 war, wie der Musikkritiker Bruce Eder schrieb, “das wichtigste Konzert in der Geschichte der populären Musik: die Geburtsstunde von Jazz als respektable Musik”.

Der dehnbaren Begriff “Swing” fängt beim Vintage Jazz der 20er Jahre an und fand im Big Band Swing der 30er Jahre seine Blütezeit.Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer Spaltung der Musiker. Eine Gruppe entwickelte den “Modern Jazz” (“Be-bop”), die andere Richtung absorbierte Elemente des Mississippi Blues und Country Music und wurde zum “Jump Blues, “Rhythm’ & Blues” und schließlich zum “Rock’n’ Roll” — der dann ab ca. 1956 als eigene Stilrichtung zur großen Revolution wurde. In den 90er Jahren kam es zu einem großen Swingrevivial in den Vereinigten Staaten und zahlreiche Neoswing Bands wurden gegründet, die etwas härter und rockiger als ihre Vorfahren klangen. Unter dem Einfluss von Techno gilt Electroswing als das neueste Genre

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